Klanggöttin ohne Kabel: Noble Audio Artemis
Seitdem ich den Noble Audio Artemis das erste Mal auf der High End 2026 in Wien in den Händen halten durfte – damals leider noch ohne Zeit zum Testen –, war ich sehr gespannt auf den offiziellen Release dieses neuen kabellosen Kopfhörers.
Die bisherigen, sehr erfolgreichen Over-Ear-Modelle Apollo und Apollo Pro von Noble Audio haben in der audiophilen Szene und unter Musikliebhabern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie sind nicht nur hervorragend verarbeitet und designt, sondern auch extrem klangstark – vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um kabellose Kopfhörer handelt.
Bis vor einer Weile hätte ich nicht gedacht, dass via Bluetooth-Übertragung ein derartiger Klang überhaupt möglich ist. Man muss bedenken, dass die gesamte D/A-Wandlung und Verstärkung nicht in externen Geräten stattfindet, sondern direkt im Kopfhörer selbst. Und dort ist nun einmal nicht viel Platz für diese Technik vorhanden. Dennoch hat Noble Audio es geschafft, mit dem Apollo bzw. Apollo Pro die für mich ersten wirklich als audiophil zu bezeichnenden kabellosen Kopfhörer auf den Markt zu bringen.
Unboxing, Verarbeitung & Nachhaltigkeit
Nachdem die Lieferung mit den Artemis-Kopfhörern vor kurzem bei uns eingetroffen ist, habe ich heute endlich Zeit für ein kleines Unboxing inklusive Fotos – und natürlich auch dafür, ein erstes Mal in den Kopfhörer reinzuhören, um mir einen Eindruck von seinen klanglichen Eigenschaften zu verschaffen.

Der Noble Audio Artemis kommt in einer schlichten Kartonverpackung daher.



Ausser dem Kopfhörer selbst finden sich darin ein sehr kompaktes, schlichtes und zugleich schickes Reiseetui, ein USB-C-Ladekabel sowie ein USB-C-zu-3,5-mm-Kabel, mit dem der Kopfhörer auch an herkömmlichen 3,5-mm-Klinkenausgängen via Kabel betrieben werden kann. Außerdem liegen noch ein kurzes USB-C-zu-C-Kabel, ein typischer Flugzeugadapter und natürlich ein kurzes Produkthandbuch bei – und das war’s auch schon.



Der Artemis ist, ebenso wie Apollo, Apollo Pro und eigentlich alle anderen Kopfhörer und In-Ears von Noble Audio, hervorragend verarbeitet und wirklich äusserst modern und ansprechend designt. Auch die Anfassqualität und das relativ geringe Gewicht fallen sofort positiv auf.

Die Ohrpolster sind per Magnet befestigt und somit ganz einfach abnehm- und austauschbar. Zudem kann auch der Akku des Artemis problemlos durch den Benutzer selbst gewechselt werden, sollte dies einmal notwendig sein. Es freut mich sehr, dass Noble hier noch mehr als zuvor auf Nachhaltigkeit und Benutzerfreundlichkeit setzt.
Gut sichtbar ist hier auch der Tribrid-Treiberaufbau mit dem dynamischem Treiber, Planar-Treiber und Balanced Armature Treiber.
Design, Bedienung & Audiodo-App
Das Design des Artemis würde ich als modern, schlicht und elegant sowie auf positive Weise zurückhaltend bezeichnen, sodass er schon rein optisch sehr viele Benutzer und Käufer ansprechen dürfte.

Auf den Rückseiten der rechten und linken Ohrmuschel befinden sich die wichtigsten Bedienelemente wie Ein-/Ausschalter, Noise Cancelling, Lautstärkeregelung und Bluetooth-Pairing. Natürlich lassen sich viele dieser Einstellungen auch über die App bzw. das eigene Smartphone oder Tablet steuern.
Und wenn ich schon von der Noble FoKus-App spreche, muss ich wirklich ein großes Lob aussprechen: Die App wurde im Laufe der Zeit sinnvoll überarbeitet, und vor allem das neue Feature der persönlichen Equalizer-Anpassung über Audiodoo ergibt nicht nur Sinn, sondern beeinflusst die Klangqualität erheblich.
Die App führt einen dabei durch eine kurze Testreihe von Tönen für das linke und rechte Ohr, um das individuelle Hörvermögen zu messen und daraus ein maßgeschneidertes Klangprofil zu erstellen. Nachdem ich diesen Test im Schnelldurchlauf absolviert hatte, veränderte sich der ursprüngliche Klang nochmals dramatisch – und zwar absolut zum Positiven. Eine wirklich sehr sinnvolle Erweiterung für eine Companion-App.
Vollmundig
Was schon nach den ersten Tönen bzw. den ersten Sekunden des Probehörens mit dem Artemis auffällt, ist seine Abstimmung: Diese ist bewusst musikalisch, emotional und „wärmer“ gehalten, wie man es auch schon von anderen Noble Audio Produkten kennt.
Man könnte den Klang durchaus auch als rund und vollmundig bezeichnen – zumindest sind das die ersten Worte, die mir beim Hören eingefallen sind. Hier geht es eindeutig nicht darum, die Musik zu analysieren, sondern sich einfach zurückzulehnen und sie auf entspannte Weise zu geniessen. Das bedeutet keineswegs, dass man auf Details, Definition oder eine präzise räumliche Abbildung verzichten muss – ganz im Gegenteil.
Wie bei vielen modernen Tunings ist auch die Abstimmung des Artemis durchaus bassbetont. Das bedeutet hier jedoch nicht, dass der Bass – wie man es von manch anderen grossen Herstellern wie Bose oder Sony kennt – einfach alle anderen Frequenzen übertönt. Das ist definitiv nicht der Fall. Es handelt sich vielmehr um einen sehr gut definierten, druckvollen und fein texturierten Bass, der dank des dedizierten dynamischen Treibers erstaunlich tief hinabreichen kann. Der Spassfaktor kommt also definitiv nicht zu kurz!
Und um auf die Drei-Treiber-Konfiguration des Artemis zurückzukommen: Die Planar- und Balanced Armature-Treiber tun ihr Übriges, um die mittleren und hohen Frequenzen perfekt abzubilden. Stimmen klingen dadurch unglaublich eindringlich und sonor, und auch bei den Höhen muss man keinerlei Abstriche machen. Der Artemis spielt äußerst detailliert auf, ohne dabei jemals anstrengend oder spitz zu wirken. Noble Audio hat hier ein Tuning gefunden, das den Spagat zwischen audiophilem Anspruch und alltagstauglicher Musikalität bravourös meistert.
In luftigen Höhen unterwegs
Was mir zudem besonders aufgefallen ist, ist die Räumlichkeit bzw. Dreidimensionalität und auch die wirklich hervorragende Kanaltrennung. Man kann – wie bei anderen typisch audiophilen Produkten und erstklassigen Kopfhörern oder In-Ears – problemlos einzelne Instrumente oder Stimmen aus dem Orchester heraushören, ohne dass das Klangbild an Kohärenz und Zusammenhalt verliert. Die Räumlichkeit und Dreidimensionalität des Artemis haben mich schlichtweg beeindruckt.
Ich möchte hier nochmals betonen – weil man es beim Hören glatt vergessen könnte –, dass es sich um einen reinen Wireless-Kopfhörer via Bluetooth handelt und nicht um ein kabelgebundenes Exemplar. Umso erstaunlicher finde ich, was der Artemis an klanglicher Performance abliefert. Das ist für einen kabellosen Kopfhörer alles andere als selbstverständlich.
Für mich ist dies vielleicht der erste Wireless-Kopfhörer, der tatsächlich mit vergleichbar bepreisten kabelgebundenen Modellen mithalten und etliche von ihnen meiner Meinung nach sogar übertreffen kann. Das ist für meine Begriffe eine echte Überraschung und eine handfeste Ansage von Noble Audio. Es zeigt eindrucksvoll die Erfahrung, die sie in den letzten Jahren im Bereich kabelloser Produkte gesammelt haben. Noble Audio ist damit vielleicht der erste Hersteller, dessen Wireless-Modelle man guten Gewissens als wahrhaft audiophil bezeichnen darf.

Fazit
Noble Audio ist es mit dem Artemis gelungen, einen neuen Standard für kabellose Kopfhörer zu setzen. Der Artemis spielt auf dem klanglichen Niveau von so manchem vergleichbar teuren kabelgebundenen Kopfhörer – und das finde ich persönlich sehr erstaunlich.
Ich habe in schon so manchem Blogbeitrag zuvor erwähnt, dass ich eigentlich nie der grösste Fan von Bluetooth-Verbindungen und entsprechenden Kopfhörerprodukten war. Noble Audio waren damals aber die Ersten, die mit ihrer FoKus-Serie vor einigen Jahren für meine Begriffe erstmals wirklich klangstarke und als audiophil zu bezeichnende In-Ears auf den Markt brachten – und später mit dem Apollo und Apollo Pro auch entsprechende Over-Ear-Kopfhörer. Doch spätestens jetzt mit dem Artemis hat Noble Audio mir endgültig gezeigt, dass ein kabelloser Kopfhörer genauso klangstark sein kann wie kabelgebundene Modelle zu einem ähnlichen Preis.
Und so geniesse ich beim Schreiben dieser Zeilen meine Musik über den Artemis, während ich mich völlig frei und ohne störendes Kabel im Raum bewegen kann. Dabei stelle ich mir insgeheim die Frage, wie weit sich die kabellose Technologie im Bereich von Kopfhörern in Zukunft noch weiterentwickeln wird und welche klanglichen Sprünge hier noch möglich sind. Noble Audio hat mir – und sicher vielen anderen Musikliebhabern da draussen – eindrucksvoll bewiesen, dass audiophiler Musikgenuss auch ohne Kabel möglich ist. Und ich freue mich schon jetzt auf zukünftige, noch hochklassigere Kopfhörerprodukte, die ohne Kabel auskommen.
Wer kabellose Freiheit ohne klangliche Kompromisse sucht, kommt am Artemis derzeit schlichtweg nicht vorbei.